Rubberized — Teil 1
Alles begann auf dem Transatlantik-Flug von Frankfurt nach Miami. Die Business Class war angenehm ruhig, nur das leise Summen der Triebwerke und das gelegentliche Klirren von Gläsern war zu hören.
Miss P. und ihre Assistentin Lara hatten die Plätze 2D und 2G. Beide Frauen trugen elegante maßgeschneiderte Lederoutfits, die auch perfekt für das abendliche Wetter nach der Landung geeignet waren, wenn sie in die schwüle Hitze Floridas eintauchen würden. Miss P. sah atemberaubend aus in ihrem tiefschwarzen Lederkostüm. Der eng anliegende Blazer umschloss ihren Oberkörper perfekt und betonte ihre weiblichen Formen, darunter trug sie eine hauchdünne cremefarbene Seidenbluse, die einen dezenten Einblick gewährte. Der schmale Rock aus weichem, hochwertigem Leder endete knapp über den Knien und umspielte bei jeder Bewegung ihre Hüften. Dazu kamen hohe, glänzende Stiefel mit enier roten Sohle und silbernen Schnallen, die bei jedem Schritt ein leises, autoritäres Klacken erzeugten. Das Leder glänzte matt und edel, jede kleinste Bewegung ließ es sanft knarzen – ein Klang, der Macht und Eleganz zugleich ausstrahlte. Lara, ihre persönliche Assistentin und PA, saß einen Platz weiter. Sie trug ein ebenso hochwertiges, aber deutlich untergeordnetes knallrotes Lederensemble: ein enger Rock, ein tailliertes Korsett, das ihre schlanke Taille betonte, und eine schmale Jacke. Das rote Leder war weich und glänzend, doch im Vergleich zu Miss P.s Outfit wirkte es dienender, zurückhaltender – genau so, wie es einer loyalen, diskreten Assistentin gebührte.
Lara war Ende zwanzig, schlank, mit perfektem, aber unaufdringlichem Styling. Die beiden unterhielten sich leise und entspannt über die letzten Tage in Europa: erfolgreiche Business-Meetings in Düsseldorf, Hamburg und Stockholm. Es ging um neue Investitionen, strategische Partnerschaften mit europäischen Unternehmen und vielversprechende Verhandlungen über internationale Expansion.
Sie sprachen ruhig, präzise und professionell – genau der Ton, den Miss P. bei geschäftlichen Gesprächen schätzte. Immer wieder spürte Lara jedoch, wie der Mann auf Platz 2K sie beide von oben bis unten musterte. Victor Lang, ein breitschultriger, selbstbewusster Geschäftsmann Mitte vierzig im maßgeschneiderten dunkelblauen Anzug, starrte unverhohlen.
Sein Blick wanderte langsam und abschätzig über ihre Lederoutfits, die Beine, die Stiefel. Er sprach laut und arrogant mit den Flugbegleiterinnen, behandelte sie wie persönliche Bedienstete, schnippte mit den Fingern und lachte dröhnend über seine eigenen Witze. Der krasseste Gegensatz zur ruhigen, respektvollen Art von Miss P. und Lara. Kurz vor der Landung, als die Maschine bereits im Sinkflug war und die Lichter von Miami am Horizont erschienen, wandte sich Victor Lang plötzlich direkt an die beiden Frauen. Er beugte sich leicht über den Gang und sagte mit überheblicher, lauter Stimme:
„Ihr Outfit ist ja ganz nett, Ladies, aber es wirkt, als wärt ihr davon eingeschüchtert. Leder ist so… altmodisch. Ihr solltet eher Latex tragen. Das haben alle meine Partnerinnen getragen – eng, hochglänzend, richtig feminin und sexy. Das passt viel besser zu einem Mann in einem maßgeschneiderten Anzug wie meinem. Ich würde euch gerne mal ausführen und euch zeigen, wie echte Damen sich präsentieren sollten. Latex würde euch deutlich mehr Wirkung bei Männern verschaffen, glaubt mir. “ Miss P. und Lara schauten sich nur kurz an, als hätten sie ihn nicht verstanden oder als wäre er Luft. Kein Wort, kein Lächeln, keine Reaktion. Sie drehten sich einfach wieder zueinander und setzten ihr Gespräch leise und ungestört fort, als wäre nichts geschehen.
Victor Lang zuckte mit den Schultern, murmelte etwas von „zickigen Europäerinnen, die keine Ahnung haben“ und widmete sich wieder seinem Whisky mit einem selbstzufriedenen Grinsen. Nach der Landung in Miami International Airport schritten Miss P. und Lara durch die automatischen Türen der Immigration. Miss P. ging voran, Lara folgte einen halben Schritt dahinter.
Während die anderen Passagiere ungeduldig am Gepäckband warteten, zog Lara bereits ihr Smartphone hervor. „Miss P., ich habe den Kerl aus dem Flugzeug gegoogelt“, flüsterte sie mit leicht aufgeregtem Unterton. „Victor Lang. Selbsternannter Selfmade-Millionär aus New York. Ziemlich großes Ego. Morgen hält er auf der jährlichen Unternehmermesse hier in Miami einen Vortrag: ‚Von 1 US$ zum Millionär – so schaffst auch du es!‘
Das Thema lautet selbstsicheres Auftreten und effektive Führung von Mitarbeitern. Er sieht sich als ultimativem Motivationscoach. “ Miss P. nickte nur einmal kurz und elegant, vollkommen ruhig und beherrscht.
Lara verstand sofort – ein verschwörerisches Funkeln trat in ihre Augen. Das könnte ein sehr großer, sehr intensiver Spaß werden. Der silberne Rimowa-Koffer von Miss P. erschien auf dem Band. Lara trat sofort vor, hob den schweren Koffer mühelos herunter und stellte ihn neben sich.
Später würde sie ihn selbst durch die gesamte Halle schieben – wie immer. Miss P. ließ ihren Blick langsam und prüfend durch die große Ankunftshalle schweifen. Dort stand Victor Lang, telefonierte lautstark, lachte dröhnend über irgendeinen Deal und gestikulierte selbstsicher. Er bemerkte die beiden Frauen, erkannte sie sofort und grinste arrogant. Er hob sogar lässig die Hand zum Gruß. Miss P. schaute nicht einmal in seine Richtung. Ihr Gesicht blieb vollkommen unbewegt und ausdruckslos. „Lara“, sagte sie leise mit samtweicher, aber kühler Stimme, während sie langsam weitergingen, „heute Abend bleiben wir ganz entspannt. Wir verbringen den Abend gemütlich auf der Terrasse der Villa am Biscayne Bay.
Ein ruhiger, angenehmer Start nach dem langen Flug. Morgen früh fahren wir dann zur Unternehmermesse und hören uns seinen Vortrag an. Die Frage-Runde danach könnte… besonders interessant werden. “ Lara lächelte gehorsam und schob den silbernen Rimowa-Koffer zuverlässig neben sich her. „Verstanden, Miss P. Ich kümmere mich um alles.
Kein Kontakt heute Abend. Mr. Lang erfährt noch nichts von unserem Plan. Das Spiel hat gerade erst begonnen – und er hat keine Ahnung, dass er bereits mittendrin steckt. “ Miss P. nickte zufrieden, ein kaum sichtbares, kühles Lächeln umspielte nun ihre perfekt geschminkten roten Lippen.
„Genau. Wir sind uns sicher, dass einige Gäste des Events uns erkennen werden. Deshalb wählen wir morgen ganz klassische, elegante Outfits – Chanel und Dior.
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